Schokolade zu Ostern - Die Geschichte vom Schokoladenhasen

 

Ob stehend, sitzend, im bunten Blumenkleid oder eingehüllt in Goldpapier mit einem Glöckchen um den Hals – der Schokohase ist die liebste Osternascherei der Deutschen. Rund 200 Millionen Osterhasen produzieren die Hersteller hierzulande jedes Jahr. 110 Millionen davon werden hier verspeist. Trotzdem ist die Geschichte vom Schokoosterhasen nur wenig erforscht. Ein Grund einmal selbst nachzuforschen.

 

Schokohasen in Frankreich

„Wann der erste Schokoosterhase hergestellt wurde, ist nicht genau geklärt“, sagt Andrea Durry, Kuratorin im Schokoladenmusuem Köln. „Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es Hersteller in Frankreich, die spezielle Formen zur Schokoladenherstellung benutzten.“ Da religiöse Motive, wie der Nikolaus bei den Chocolatiers von Anfang an sehr beliebt waren, ist zu vermuten, dass sie schon Formen für den Osterhasen hatten. Schließlich gehörte der in der städtischen, protestantischen Bürgerschicht seit rund 100 Jahren zum Osterfest dazu. Auch die Katholiken nahmen den Osterhasen zu dieser Zeit als österliches Symboltier an.

 

Kiloschwere Hasen zum Anschauen

Während es in Frankreich also bereits erste Schokoosterhasen gegeben haben könnte, begann die Herstellung von Schokoladenformen in Deutschland erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Formen waren allerdings noch massiv, häufig mehrere Kilogramm schwer und entsprechend teuer. Schokolade war ein Luxusgut und nur für wenige erschwinglich. Die meisten Schokoladenfiguren wurden daher auch nicht verkauft, sondern dienten als Schaufensterdekoration. Werbung für die eigene Manufaktur. 

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam die Hohlfiguren-Technik auf – dank der Imker. Auf deren Honigschleuder spannten findige Chocolatiers Hohlfigurenformen und drehten geschmolzene Schokolade darin langsam hin und her. Die Schokolade setzte sich so gleichmäßig Schicht für Schicht an den Innenwänden der Form ab. Dadurch entstanden wohl auch die ersten hohlen Schokoladenosterhasen in Schleudertechnik, an der sich bis heute nicht viel geändert hat.

 

Der erste Goldhase

In Serie gingen die Hasen aber vermutlich erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Dann nämlich wurde auch die Schokolade allmählich zum Massenprodukt. Die Hersteller mussten sich was einfallen lassen, um ihre Produkte zu verkaufen und bekannt zu machen. Stichwort: Markenartikel und Marketing. Kein Wunder, dass auch in dieser Zeit der erste Goldhase von Lindt, der bis heute beliebteste Osterhase der Deutschen, das Licht der Welt erblickte.

1952 hüpfte er zum ersten Mal vom Band – und hat wohl viele Kinder am damaligen Ostersonntag verzaubert. So wie einst den kleinen Sohn eines Chocolatiers von Lindt. Der soll nämlich laut Unternehmenslegende für die Entstehung des Hasens verantwortlich sein: Im Frühling beobachtete der einen Hasen im Garten, begann aber zu weinen, als der plötzlich in die Büsche verschwand. Der Chocolatier sah das und hatte plötzlich die Idee, einen Hasen aus Schokolade herzustellen. Gesagt, getan: Er fertigte ihn, wickelte ihn in Goldpapier und hängte ihm ein rotes Band mit einem goldene Glöckchen um den Hals – damit der Hase nicht verloren ginge. „Wenn das Glöckchen läutet, kannst du ihn leicht finden“, sagte der Maître zu seinem Sohn.

Ob dieser Lindt Hase tatsächlich der erste Schokoladenosterhase ist, ist nicht geklärt. Zu den Marken-Osterhasen der ersten Stunde gehört er aber auf jeden Fall. Und die schreiben seither eine unglaubliche Erfolgsgeschichte: Heute sind sie sogar beliebter als der Schoko-Nikolaus. Ein Vergleich: 220 Millionen Schokohasen wurden zu diesem Osterfest hergestellt; vom Nikolaus gab es im letzten Jahr lediglich 143 Millionen Exemplare. 

 

Hase oder doch Nikolaus?

Und wo wir schon beim Schokonikolaus sind: Was passiert eigentlich mit denen, die nach Weihnachten übrig bleiben? Werden die tatsächlich – wie es gerne erzählt wird – eingeschmolzen und zu Osterhasen verarbeitet? Die Antwort lautet ganz klar: nein. In einer gut geführten Schokoladenfabrik, so sagen es die Hersteller, bleibt nichts übrig. Und am Ende müsse der Handel sehen, wie er die Ware los wird – indem er sie zum Beispiel billiger verkauft oder an Wohlfahrtsorganisationen spendet.
Warum aber hält sich diese Legende denn schon seit vielen Jahrzehnten so hartnäckig? Der Grund sind wohl die multifunktionalen Schokoformen, die, je nach Umwicklung, als Hase aber auch als Nikolaus verwendbar sind. Die Verwertung von Resten hat damit allerdings nichts zu tun. Die Hersteller sparen lediglich Kosten dadurch, dass sie die Gussform mehrmals verwenden können. Gut zu wissen!

 

Sie können Ihre Osterhasen am kommenden Wochenende also ruhigen Gewissens genießen. Falls es einer von Lindt sein sollte, wissen Sie ja jetzt auch, warum er ein goldenes Glöckchen trägt. 

In diesem Sinne: Frohe Ostern!

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