Einmal Zip und fertig - Gedanken zum Tag des Reißverschlusses

Am 29. April 1913 erhielt der schwedisch-amerikanische Erfinder Gideon Sundback das US-Patent für die Erfindung des Hookless Fastener No. 1  einem Vorläufer des ersten Reißverschlusses für Kleidungsstücke. Deshalb ist heute der Tag des Reißverschlusses. Dabei war Sundback weißgott nicht der Erste geschweige denn der Einzige, der die alternative Verschlussmethode zu dem gemacht hat, was sie heute ist. Ein Rückblick. 

Sich ankleiden ist nicht leicht. Was heute eine schnelle und einfache Angelegenheit ist, die sogar schon kleine Kinder beherrschen, ist Mitte des 19. Jahrhunderts ein  wahrlicher "Staatsakt" – gerade für Damen  der Oberschicht, die Korsetts, Unterröcke und Oberröcke tragen müssen. Ihre vielen Kleiderschichten werden von Schnüren, Klemmen oder Haken und Ösen zusammengehalten. Damit die sich nicht bei jeder Gelegenheit lösen, ist Hilfe und vor allem Technik gefragt. So vergehen oft Stunden, bis die Damen richtig eingekleidet sind.  

Um diesen Prozess zu verkürzen, versuchen sich zu dieser Zeit in den USA etliche Tüftler an der Erfindung einer revolutionären Verschlussmethode für Kleidungsstücke – die meisten allerdings mit wenig Erfolg. Der Nähmaschinen-Erfinder Elias Howe etwa entwickelt ein Laschensystem, das zwar aussieht wie ein Reißverschluss, dem die Zähne fehlen,  allerdings bleibt dieser, nachdem man ihn zugezogen hat, nicht geschlossen. Für Bekleidung taugt er daher nichts. Anders die Erfindung des Ingenieurs und Universal-Erfinders Whitcomb Judson aus Chicago: Weil ihm das Schnürsenkelbinden zu umständlich ist, ersinnt er den "Klemmöffner und -schließer für Schuhe". Dieser besteht aus zwei schweren Metallketten mit Schiebeverschluss und gilt als erster praxistauglicher Reißverschluss. 

 

"Ein Zug und fertig!"

Auf der wenig später stattfindenden Weltausstellung in Chicago erregt Judson mit seiner Erfindung großes Aufsehen. Besonders begeistert ist Lewis Walker, ein Oberst der US Army, der das nötige Kapital zur Gründung der "Gesellschaft für Universalverschlüsse" einbringt. 1905 besitzt das Unternehmen die erste Produktionsmaschine, doch vom Versprechen des ersten Werbeslogans "Ein Zug und fertig!" ist Judsons Verschluss noch weit entfernt: Allzu oft klemmt die Chose, lassen sich Schuhe nicht mehr öffnen, müssen entnervte Damen aus ihren fest verschlossenen Kleidern herausgeschnitten werden. 

Erst als sich Judsons Schwiegersohn Gideon Sundback, ein Ingenieur aus Schweden, der Sache annimmt, entsteht das noch heute gebräuchliche System des Stoffbandes mit Zähnen, die über einen Schieber geschlossen und geöffnet werden. Am 29. April 1913 erhält der schwedisch-amerikanische Erfinder das US-Patent für seine Weiterentwicklung. Vier Jahre später werden seine Reißverschlüsse im großem Umfang in der US Navy bei wetterfesten Anzügen von Lotsen eingesetzt. 

 

Rippen und Rillen

In Europa allerdings hat Sundback mit seinem Produkt noch kaum Erfolg. Um den Zipper auch dort an den Mann zu bringen, reist er selbst von Land zu Land. 1924 trifft er in St. Gallen den Erfinder Dr. Martin O. Winterhalter. Der erwirbt Sundback’s Patent und entwickelt daraus ein Verschluss-System aus Rippen und Rillen – kurz "Riri". Er entwickelt und produziert ebenfalls Maschinen zur Fabrikation. Erste Fabrik, in der der Riri in großer Stückzahl über das Band läuft – 1925 immerhin schon zehn Kilometer täglich – ist in Wuppertal.  Insgesamt 25 Patente zur maschinellen Produktion meldet Winterhalter an. 1928 folgen die ersten Ableger in Luxemburg, Mailand und St. Gallen. 

Der Reißverschluss wird zum Welterfolg – jeder will ihn haben. Anfangs insbesondere im Militär für die Fliegerjacken und Schwimmwesten verwendet, schafft er es ab 1930 sogar auf den Laufsteg der "Haute Couture". Schon bald produzieren weltweit dutzende Fabriken den Riri in Lizenz. Den definitiven Durchbruch schafft Winterhalter jedoch ein Jahr später mit der Entwicklung eines neuen Spritzgussverfahrens. 

 

Aufstieg und Fall

Wenig später jedoch geraten die Riri-Fabriken in Gefahr. 1936 will der nationalsozialistische Staat diese wegen angeblicher Steuervergehen unter staatliche Vormundschaft stellen. Winterhalter packt daraufhin in einer Nacht-und-Nebel-Aktion seine Maschinen auf einen Lastwagen und lässt sie in die Schweiz schmuggeln. In Mendrisio baut er eine neue Fabrik und nimmt die Reissverschlussproduktion wieder auf. Der Erfolg bleibt ungebrochen – bis zu Beginn der 1950er. Dann nämlich verfallen die ersten Lizenzen und das Riri-Monopol schwindet. Die Konkurrenten entwickeln die ersten Reißverschlüsse mit Kunststoffzähnen. In punkto Festigkeit und Wirtschaftlichkeit die bessere Wahl. Damit beginnt weltweit die Billigproduktion der Reißverschlusses. In der Folge verändert sich der Zipper nur noch wenig: Die einstigen Baumwollbänder werden sukzessive durch synthetische und später durch weitere High-Tech-Fasern ersetzt. 

 

Überall in der ganzen Welt

Was sich aber verändert ist der Einsatzort des Verschlusses. Früher vor allem für Bekleidung eingesetzt, kommt der Reißverschluss heute überall zum Einsatz – auch da wo man es nicht vermutet. Oder hätten Sie gedacht, dass er sogar als Verbindung von künstlichen Rasenstücken auf Fussballfeldern eingesetzt wird? Oder, dass einer der größten Reißverschlüsse auf dem Grund des Atlantiks liegt, wo er die Schutzhülle des 6.300 Kilometer langen transatlantischen Telefonkabels (TAT) zusammenhält?

Der Reißverschluss ist heute aus unserem Alltag wirklich nicht wegzudenken. Was aber ist aus der Firma geworden, die ihn einst groß gemacht hat? Die glorreichen Jahre von Riri sind seit den 1950er Jahren vorbei, das Unternehmen aber produziert bis heute seine Zipper - neben Lagerware vor allem auch Luxusmodelle. Seit dem Zusammenschluss mit Meran SPA und Cobras SPA gehört das Unternehmen aktuell wieder zu den führenden Herstellern von Verschlusssystemen. Der größte Produzent von Reißverschlüssen aber befindet sich heute in Japan. Ganz nah dran an den USA, dem Land, in dem das Ritsch-Ratsch-System einst von so vielen Tüftlern erdacht wurde.

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