Vom Opferbrot zum Must-Have

Halbzeit: In 12 Tagen ist der 24. Dezember. Dann endet der Advent. Grund genug, sich einmal dem liebstem Adventsritual der Deutschen zu widmen: Dem Plätzchenbacken. Zu keiner anderen Jahreszeit wird mehr selbst gebacken als in den Wochen vor Weihnachten. Rund 60 Prozent des Umsatzes mit Vanille- bzw. Vanillinzucker, Backpulver und Aromen werden regelmäßig im vierten Quartal erzielt. Warum aber werden wir jedes Jahr zur Vorweihnachtszeit zu Hobbybäckern?  Woher kommt dieser Brauch? 

Der Versuch einer Rekonstruktion.

 

Schutz vor bösen Geistern

Die Suche nach einer Antwort führt weit zurück – lange vor Christi Geburt in die Zeit der alten Germanen. Sie feierten zur Wintersonnenwende am 21. Dezember das so genannte Julfest. Die Menschen damals glaubten, dass zu dieser Zeit böse Geister ihre Häuser heimsuchten. Um die Geister zu besänftigen, buken sie Tiere aus Teig und opferten sie. Dazu hingen sie die so genannten „Opferbrote“ an Bäume oder warfen sie in den Fluss. 

Der ideale Sattmacher

Als um 300 nach Christus die Christianisierung Europas begann, wurde der Sonnenwendekult langsam aber sicher durch das Weihnachtsfest ersetzt. Das Backritual aber blieb: Im Mittelalter wurden die Opferbrote zu den so genannten „Christbroten“. Während der Vorweihnachtszeit, die damals vom 11. November bis zum 25. Dezember dauerte, waren die Christbrote das offizielle Fastengebäck. Da Milch und Butter streng verboten waren, bestand der Teig ausschließlich aus Mehl, Wasser, Hefe und Rapsöl. Wegen dieser Zutaten schmeckten die Christbrote allerdings etwas tranig – was gerade beim Adel für Unmut sorgte. Auf Bitten des Kurfürsten Ernst von Sachsen und seinem Bruder Albrecht hob der Papst 1491 schließlich das Butterverbot in der Fastenzeit auf. Schon bald wurden auch Milch, Rosinen und sogar Zucker im „Brotteig“ verarbeitet. So entstand aus dem Christbrot der uns heute noch bekannte Christstollen. Auf Grund seiner Luxuszutaten – Zucker und Mandeln waren in Deutschland damals eine Seltenheit und entsprechend teuer – konnten sich aber nur reiche Adlige den süßen Kuchen leisten. Doch die einfachen Leute waren erfinderisch: Sie buken mit wenigen Zutaten einfach „kleinere Weihnachtsstollen“ – die Vorläufer unserer heutigen Weihnachtsplätzchen. Die hatten gleich mehrere Vorteile: Sie waren fett und durch den Zucker lange haltbar. Ein ideales Winteressen in einer Zeit, in der sich die Menschen regelrecht Reserven „anfuttern“ mussten, um den Winter zu überstehen.

 

It´s Kekstime

Bis sich die Plätzchen schlussendlich überall durchsetzen, dauerte es noch weitere Jahrhunderte. Hierbei wird den Briten eine entscheidende Rolle zugesprochen: Im 18. Jahrhundert etablierte sich dort in feinen Kreisen die heute noch typisch britische „Teekultur“. Zu dem nachmittäglichen Heißgetränk gab es immer auch etwas Gebäck. Dieses Ritual übernahmen auch immer mehr Reiche in Deutschland. Plätzchen wurden "salonfähig" und mit Beginn der Konsumgesellschaft ab 1870 auch in der Bürger- und Unterschicht beliebt. Das hat wohl auch dem Plätzchenbacken zur Weihnachtszeit noch einmal mächtig Aufschub gegeben. Spätestens seit 1917 , als die Adventsfastenzeit ganz aufgehoben wurde, gehören Weihnachtsplätzen zur Vorweihnachtszeit dazu.

 

In diesem Sinne: Genießt die letzte Hälfte der Vorweihnachtszeit mit ein paar frisch gebackenen Weihnachtsplätzchen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0